AUA-Bieterkampf: British Airways fliegt raus
Lufthansa, Air France/KLM und S7 sind in der nächsten Runde und dürfen die AUA prüfen. Die British Airways ist nicht auf der Shortlist.
15.09.2008 | 18:22 | Hedi Schneid (Die Presse)
Im Bieterkampf um die AUA ist die Sensation perfekt: Nicht die sibirische S7, der nur Außenseiterchancen eingeräumt worden waren, ist aus dem Rennen geflogen, sondern eine der drei großen europäischen Fluggesellschaften – nämlich British Airways (BA). Die Briten haben zwar bis vergangenen Freitag ein unverbindliches Angebot gelegt, ihr Konzept soll aber nur „wenig schlüssig“ und unvollständig gewesen sein, habe daher nicht den Anforderungen entsprochen, wie die „Presse“ aus dem Umfeld des mit der Privatisierung befassten Expertenpools erfuhr.
Die Shortlist, die gestern, Montag, vom Privatisierungsausschuss der ÖIAG beraten worden ist, besteht daher aus Lufthansa, Air France/KLM und S7. Nur diese drei Fluglinien kommen in die nächste Runde des Privatisierungsverfahrens und dürfen die AUA auf Herz und Nieren prüfen – die sogenannte „Due Dilligence“ durchführen. Der tiefe Einblick in die Bücher der AUA, der auch mit einer weiteren Präsentation durch das AUA-Management verknüpft ist, soll den Interessenten eine Basis für die Errechnung des Kaufpreises liefern.
ÖIAG hofft auf 7,15 Euro je Aktie
Die ÖIAG, die die AUA mit 7,15 Euro je Aktie in den Büchern hat, hofft naturgemäß darauf, diesen Preis auch erzielen zu können. An der Börse war die AUA am Montag rund sechs Euro je Aktie wert – wobei das Papier in den allgemeinen Abwärtssog der strauchelnden US-Banken kam. Analysten der Citigroup rechnen mit einem Kaufpreis zwischen 4,33 und 5,80 je Aktie, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Spekulationen, dass die Lufthansa bis zu acht Euro zu zahlen bereit sei, werden allgemein als zu hoch angesehen.
Lufthansa mit Gegenwind
Die bisher als haushoher Favorit gehandelte Lufthansa sieht sich zusehends Gegenwind ausgesetzt. Wie die „Presse“ berichtete, hat sich die sibirische S7 hochkarätige Lobbyisten gesichert, die bei SPÖ und ÖVP sowie in Wirtschaftskreisen für guten Wind sorgen sollen. Außerdem soll S7 die Gazprombank und die Sberbank hinter sich haben. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich mit Ludwig Scharinger an der Spitze soll den „österreichischen“ Kernaktionär für die S7 bilden.
Gleichzeitig sollen auch die Sympathien für Air France/KLM wachsen. Vor allem innerhalb der AUA soll es viele Befürworter für einen Einstieg der Franzosen geben. Nicht überraschend ist, dass sich der Flughafen Wien, der bei einem Einstieg der Lufthansa um seine Position als West-Ost-Drehscheibe fürchtet (weil München und Zürich so nahe sind), nicht für die Deutschen stark macht.
Al Jaber investiert nicht
Gute Nachrichten gibt es für die AUA-Spitze heute, Dienstag, bei der Aufsichtsratssitzung: Der abgesprungene Investor Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber hat die Kapitalerhöhung nicht gezeichnet. Die AUA musste die im Mai eigens für den Einstieg des Scheichs beschlossene Kapitalerhöhung „pro forma“ durchziehen, um Klagsrechte gegen Al Jaber aufrechtzuhalten. Zuletzt wurde wegen des Kursanstiegs der AUA-Aktie in Finanzkreisen nicht ausgeschlossen, dass Al Jaber mitgeht. Der Geschäftsmann soll von der „Causa AUA“ aber endgültig genug haben.
(Die Presse, Printausgabe vom 16.09.2008)
Lufthansa, Air France/KLM und S7 sind in der nächsten Runde und dürfen die AUA prüfen. Die British Airways ist nicht auf der Shortlist.
15.09.2008 | 18:22 | Hedi Schneid (Die Presse)
Im Bieterkampf um die AUA ist die Sensation perfekt: Nicht die sibirische S7, der nur Außenseiterchancen eingeräumt worden waren, ist aus dem Rennen geflogen, sondern eine der drei großen europäischen Fluggesellschaften – nämlich British Airways (BA). Die Briten haben zwar bis vergangenen Freitag ein unverbindliches Angebot gelegt, ihr Konzept soll aber nur „wenig schlüssig“ und unvollständig gewesen sein, habe daher nicht den Anforderungen entsprochen, wie die „Presse“ aus dem Umfeld des mit der Privatisierung befassten Expertenpools erfuhr.
Die Shortlist, die gestern, Montag, vom Privatisierungsausschuss der ÖIAG beraten worden ist, besteht daher aus Lufthansa, Air France/KLM und S7. Nur diese drei Fluglinien kommen in die nächste Runde des Privatisierungsverfahrens und dürfen die AUA auf Herz und Nieren prüfen – die sogenannte „Due Dilligence“ durchführen. Der tiefe Einblick in die Bücher der AUA, der auch mit einer weiteren Präsentation durch das AUA-Management verknüpft ist, soll den Interessenten eine Basis für die Errechnung des Kaufpreises liefern.
ÖIAG hofft auf 7,15 Euro je Aktie
Die ÖIAG, die die AUA mit 7,15 Euro je Aktie in den Büchern hat, hofft naturgemäß darauf, diesen Preis auch erzielen zu können. An der Börse war die AUA am Montag rund sechs Euro je Aktie wert – wobei das Papier in den allgemeinen Abwärtssog der strauchelnden US-Banken kam. Analysten der Citigroup rechnen mit einem Kaufpreis zwischen 4,33 und 5,80 je Aktie, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Spekulationen, dass die Lufthansa bis zu acht Euro zu zahlen bereit sei, werden allgemein als zu hoch angesehen.
Lufthansa mit Gegenwind
Die bisher als haushoher Favorit gehandelte Lufthansa sieht sich zusehends Gegenwind ausgesetzt. Wie die „Presse“ berichtete, hat sich die sibirische S7 hochkarätige Lobbyisten gesichert, die bei SPÖ und ÖVP sowie in Wirtschaftskreisen für guten Wind sorgen sollen. Außerdem soll S7 die Gazprombank und die Sberbank hinter sich haben. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich mit Ludwig Scharinger an der Spitze soll den „österreichischen“ Kernaktionär für die S7 bilden.
Gleichzeitig sollen auch die Sympathien für Air France/KLM wachsen. Vor allem innerhalb der AUA soll es viele Befürworter für einen Einstieg der Franzosen geben. Nicht überraschend ist, dass sich der Flughafen Wien, der bei einem Einstieg der Lufthansa um seine Position als West-Ost-Drehscheibe fürchtet (weil München und Zürich so nahe sind), nicht für die Deutschen stark macht.
Al Jaber investiert nicht
Gute Nachrichten gibt es für die AUA-Spitze heute, Dienstag, bei der Aufsichtsratssitzung: Der abgesprungene Investor Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber hat die Kapitalerhöhung nicht gezeichnet. Die AUA musste die im Mai eigens für den Einstieg des Scheichs beschlossene Kapitalerhöhung „pro forma“ durchziehen, um Klagsrechte gegen Al Jaber aufrechtzuhalten. Zuletzt wurde wegen des Kursanstiegs der AUA-Aktie in Finanzkreisen nicht ausgeschlossen, dass Al Jaber mitgeht. Der Geschäftsmann soll von der „Causa AUA“ aber endgültig genug haben.
(Die Presse, Printausgabe vom 16.09.2008)



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