28.08.2009, 13:39:36
EU gibt Lufthansa grünes Licht für AUA-ÜbernahmeVon Natali Schwab
DOW JONES NEWSWIRESFRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Lufthansa AG ist bei der Austrian Airlines am Ziel: Die EU-Kommission genehmigte am Freitag sowohl die Übernahme als auch die Restrukturierungsbeihilfe der österreichischen Staatsholding ÖIAG. Da der Lufthansa bereits mehr als die erforderlichen 75% der AUA-Aktien angedient wurden, plant die Frankfurter Luftfahrtgesellschaft das Closing der Übernahme binnen zehn Börsentagen. Anschließend sollen die verbliebenen Aktionäre abgefunden werden.
Die europäische Wettbewerbskommission billigte am Freitag die Übernahme unter Auflagen. Die Freigabe sei an die Bedingung geknüpft, dass Lufthansa die angebotenen Maßnahmen zur Beseitigung der wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission umsetze, teilte die Wettbewerbsbehörde mit.
Die am 1. Juli 2009 eingeleitete eingehende Untersuchung der Kommission habe ergeben, dass der Zusammenschluss in der ursprünglich angemeldeten Form auf mehreren Strecken wettbewerbsrechtlich bedenklich gewesen wäre. Im Zuge der Untersuchung konnte die Kommission die Zahl der Strecken, auf denen sie eine Einschränkung des Angebots und einen Anstieg der Preise befürchtete, auf die Strecken Wien-Frankfurt, Wien-München, Wien-Stuttgart, Wien-Köln und Wien-Brüssel einschränken, wie es weiter hieß.
Mit den Zusagen der Lufthansa seien die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission ausgeräumt. Die Lufthansa nannte die Auflagen in einer Stellungnahme "wirtschaftlich vertretbar".
Der Konzern hatte der Kommission eine Regelung für die effiziente und zügige Zuteilung von Zeitnischen für Starts und Landungen zugesagt. Auf den beanstandeten fünf Wien-Verbindungen können künftig Markteinsteiger Flüge anbieten und bereits bestehende Angebote von Wettbewerbern verbessert und ausgeweitet werden.
Markteinsteigern will die Lufthansa ferner unter bestimmten Bedingungen angestammte Rechte für die relevanten Zeitnischen einräumen. Im Rahmen der Abhilfemaßnahmen ist darüber hinaus insbesondere die Möglichkeit zur Teilnahme am Vielfliegerangebot von Lufthansa vorgesehen, wie die Kommission ausführte.
Die Maßnahmen dürften dazu führen, dass neue Fluggesellschaften auf den Strecken tätig bzw. bestehende Angebote ausgeweitet werden, und so zur Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs im Interesse der Fluggäste beitragen.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte dazu: "Dieser Fall macht deutlich, dass der Konsolidierung im Luftfahrtsektor nichts im Wege steht, wenn sie mit angemessenen Vorkehrungen zum Schutz der Verbraucherinteressen einhergeht."
Im September soll die AUA nach Angaben der Lufthansa in den Konzernverbund eingegliedert werden. Alle notwendigen Voraussetzungen für den Zusammenschluss seien fristgerecht erfüllt. Die Aktionäre der Austrian Airlines AG, die ihre Anteile bis zum 11. Mai angedient und nicht zwischenzeitlich vom Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht hätten, erhielten den Angebotspreis von 4,49 EUR je Aktie voraussichtlich am 3. September. Insgesamt zahlt Lufthansa rund 166 Mio EUR an die freien Aktionäre.
Alle verbliebenen AUA-Aktionäre können ihre Aktien noch bis acht Börsentage nach der Veröffentlichung von Lufthansa andienen. Um die Austrian Airlines vollständig zu übernehmen, strebt die Deutsche Lufthansa AG nach Vollzug des öffentlichen Übernahmeangebots einen Squeeze-out der Minderheitsaktionäre an.
Die österreichische Staatsholding ÖIAG begrüßte die Entscheidung der EU-Kommission. Das Closing der Transaktion werde innerhalb der nächsten zehn Börsentage stattfinden. "Es ist uns gelungen, die Voraussetzungen für die Übernahme der Austrian Airlines durch Lufthansa zu schaffen. Die österreichische Bundesregierung hatte uns einen klaren Privatisierungsauftrag erteilt", sagte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis. "Damit ist die Übernahme nunmehr mit Leben erfüllt. Der Weg ist geebnet für den operativen Zusammenschluss der beiden Gesellschaften."
Die Entscheidung der Kommission bestätige auch, dass der von der ÖIAG geführte Privatisierungsprozess allen Kriterien eines transparenten, offenen und fairen Verfahrens entsprochen habe.
"Austrian Airlines sind im Lufthansa-Verbund optimal positioniert. Dazu profitiert auch der Wirtschaftsstandort Österreich, weil alle bisherigen Vorteile für die heimische Wirtschaft erhalten bleiben", sagte Michaelis. Vor allem die Funktion des Wiener Flughafens als Drehscheibe nach Zentral- und Osteuropa habe viel dazu beigetragen, dass zahlreiche Unternehmen ihr Osteuropa-Geschäft von Wien aus betrieben.
An der im Zusammenhang mit der Beihilfeentscheidung geforderten Senkung der Kapazitäten um insgesamt 15% bis Ende 2010 arbeitet die Gesellschaft nach ÖIAG-Angaben bereits.
Die ebenfalls von der Kommission genehmigte Restrukturierungsbeihilfe diene der Eigenkapitalstärkung der Austrian Airlines und komme direkt der Gesellschaft zugute. Mit dem EU-Entscheid sei der AUA-Fortbestand gesichert, erklärte Österreichs Finanzminister Josef Pröll. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme der AUA sei ein Verkauf an die Lufthansa alternativlos gewesen.
Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft mit Drehkreuzen in Frankfurt und München. Das Unternehmen kontrolliert bereits die Fluggesellschaften Swiss, Air Dolomiti, Eurowings und Germanwings. Kürzlich übernahm Lufthansa auch British Midland und SN Brussels Airlines.
Die Verluste schreibende Austrian Airlines ist die größte österreichische Airline mit dem Drehkreuz Wien. Zu ihren Tochterunternehmen zählen Lauda Air und Tyrolean Airways. Sowohl Lufthansa als auch Austrian Airlines sind Mitglieder der Star Alliance.
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